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hans rudolph herren
Hans Rudolf Herren
Kalifornien

Agrarforscher

Gründer und Präsident der Stiftung Biovision.
Träger des Right Livelihood Awards (Alternativer Nobelpreis)

Biodiversität ist elementar für die Ernährung der Menschheit

Brüchig geworden ist die biologische Basis für unsere Ernährung. Mehr als 10.000 Nahrungspflanzen hat die Menschheit über die Jahrtausende hinweg genutzt, heute sind es lediglich noch um die 150, und die wenigen noch angebauten Nahrungspflanzen gleichen sich immer mehr. 12 Arten steuern 80 Prozent zur pflanzlichen Nahrungsmittelproduktion bei.
Der enorme Sortenreichtum, den die Bauerinnen und Bauern durch Anbau und Zucht unter unterschiedlichsten Bedingungen hervorgebracht haben, schrumpfte parallel zum Siegeszug weniger weltweit verwendeter Hochertragssorten. Schätzungsweise 75 Prozent aller Nutzpflanzensorten sind bereits von den Äckern der Erde verschwunden.

Ebenfalls rasant schrumpft die biologische Basis der Tierhaltung. Seit 1900 sind weltweit rund 1.000 Nutztierrassen für immer verschwunden. Wo nur noch auf maximale Produktion gesetzt wird, gehen wertvolle Merkmale verloren – wie zum Beispiel die Eigenschaft, Hitze oder Kälte zu ertragen, mit wenig Wasser oder minderwertigem Futter auszukommen.

Die Ernährungssicherheit hängt aber nicht allein von den Nutzpflanzen und -tieren ab. Um in die Kulturpflanzen neue Eigenschaften einzukreuzen, greift die Zucht auch auf deren wilde Verwandte zurück. Das tat man zum Beispiel bei der Hirse. Ein Virus kann bei ihr massive Schäden anrichten. Züchtungsforscher haben in einer wildlebenden Gerstenart ein Resistenz-Gen gegen das Virus gefunden. Dieses wurde durch Einkreuzung in die Kulturgerste übertragen. Das Ergebnis ist eine neue Sorte, die dem Krankheitserreger Paroli bietet.

tanja wallnöfer
Tania Wallnöfer
Trafoi, I

Eigentümerin Garni Interski, Mama, Musikerin, Malerin, Bäuerin

Herbst. – Den Klang der Schafschellen immer im Ohr, den Blick auf den Boden gerichtet, den Spuren der Schafe folgend, den  Aufstieg fortsetzen.
Ich selbst. – Nicht nur Zeuge, sondern auch Teil der Natur. Schwarze Flügel über dem Tierkadaver. Fichtennadeln im Kragen und der Stein im Schuh.
Zu Hause. – Ein noch warmes Hühnerei aus dem Hühnerstall in Kinderhand.

anna gruber
Anna Gruber
St. Pankraz, I

Mama, Kindergärtnerin, Fotografin, Grafikerin, Bäuerin

Arteinreichtum und Sortenvielfalt lassen immer wieder staunen. Farbspiele und Formenfindung der Natur sind unvergleichlich – der Mensch kann nur Nachahmer sein. Jeder Versuch sich künstlerisch zu betätigen, kreativ zu sein, Neues zu schaffen, gelingt nur durch die Natur: Wir lernen von ihr, holen uns die so dringend nötige Inspiration, finden Orte der Muse. Weshalb sollten wir also jegliche Unterschiede nivellieren, angleichen und regulieren? Der Erhalt der Vielfalt ist ein wichtiges, ja nötiges Ziel unserer Gesellschaft.

mirjam loch
Mirjam Loch
Frankfurt am Main, D

Setzerin

Zu Gast in Lontano

Eine Berglandschaft, ihre majestätischen Gipfel, ihre kühle Erhabenheit, ist, so sagen wir, angetan, uns Schönheit vor Augen zu führen und Respekt zu wecken. Wir können das auch hörend erleben:

Ein vager, ferner Flötenton, nicht klagend, nichts sagend, nach und nach stimmen die anderen Instrumente ein, nähern sich – der Kanon des Orchesters schwillt wellenförmig an, umfängt Sie mit Nebel oder tiefhängenden Wolken, nur zeitlupenartige Bewegung zulassend, und fällt dann jäh ab – endet aber nicht, diese fremde Landschaft aus Tönen, sondern baut sich wieder auf, mehrfach, undurchdringlich, fremd und schön, einzelne Stimmen treten hervor, flirrende Geigen, ein hohes Pfeifen, ein dunkler Bass – Sie möchten tiefer hinein, herausfinden, wo Sie sind … eine Traumlandschaft, ein anderer Stern, ein tropischer Regenwald? Sie wecken Sehnsucht, diese Laute aus einer intakten Welt, die für sich existiert, unberührt, ohne Misstöne, und die schließlich ausklingen in einem langen Ton der Bläser und Bässe zu vollkommener Stille.
Sie bleiben zurück, dankbar für das Erlebnis, dass Musik eine faszinierende Landschaft sein kann.
György Ligeti: Lontano (1967) für großes Orchester, ca. 11 Min.

friedrich haring
Friedrich Haring
Hall in Tirol/Taufers im Münstertal, A/I

Kulturschaffender, Journalist, Freigeist

Der Plunder von Mals

Liebhabern von Süßem ist das Plundergebäck vertraut. Der Plunder von Mals ist jedoch von einer etwas anderen Zusammensetzung. Es ist eine Mischung verschiedenster Mehlsorten und Gewürzen, zubereitet in einer ganz besonderen Art, die fast nur im oberen Vinschgau bekannt und beheimatet ist. Die Zubereitung des Malser Plunders erfolgt nach einem genauen Rezept, das sogar aus Andreas Hofers Zeiten kommen soll und wie manche meinen noch von der französischen Revolution herrühre. Wie bereitet man einen Malser Plunder zu?

Man nehme das in Mals angebaute Pertingmehl, das in Mals jede Woche am Glückh-Platz gemahlen wird und nur nach Vorbestellung an Liebhaber des Malser Plunders geschickt wird. Um einen ordentlichen Plunder zu machen braucht es sieben Kilo Pertingmehl, pestizidfrei selbstverständlich. Dazu ein ordentlicher Hafen voll Gasserwasser. Würzen mit Laatscher Salz von der Firma BIO-BEA. Das Ganze dann ein paar Monate ziehen lassen bis der Plunderteig Bläschen zieht und dann explodiert. Das Explodieren ist wichtig, damit die dazu kommenden Kräuter und Gewürze ihren Geschmack voll entfalten können. Dazu muss der Teig dann in alte Leintücher gewickelt werden und an der Hausmauer oder einem anderen gut einsehbaren Platz aufgehängt werden, am besten bei Oberwind oder noch besser bei Hollawint. Wenn der Teig ordentlich ausgehangen ist, beginnt das Würzen, das einer besonderen Kunst bedarf, aber doch mit großem Gefühl gemacht werden muss. Die wichtigsten und seltensten Kräuter, die an Plätzen wachsen, die nur der gelernte Obervinschger kennt ist die Ägidiusnuss und das Agethlerkraut. Das bekannte Schulersalz, das eher im unteren Vinschgau und in der Bozner Gegend gefunden werden kann, verleiht dem Plunderteig die nötige Festigkeit und unterstützt das schöne Aufgehen des Teiges. Es soll jedoch nicht mit dem Rinner- oder Tiefenthalerpulver vermischt werden, da sonst der Teig einen üblen Geschmack bekommt und der Malser Plunder leicht schimmlig wird. Bevor der Teig in den Ofen geschiebelt wird, soll er mit Laatscher Malablättern bestreut werden. Dadurch wird er knusprig und bekommt ein schmackhaftes Aussehen. Auf einem belgischen Butterpapier duftet der Plunder leicht brüsselig, aber er bleibt saftig und brennt PAN backen nicht so leicht an. Den Verachtern des Malser Plunders ist dieses Gebäck ein Gräuel und man hat sogar versucht diese Obervinschger Spezialität gerichtlich verbieten zu lassen, da sie angeblich wie eine Droge wirke, das Volk davon leicht abhängig werden könne und einen gesundheitsgefährdenden Veithstanz auslösen würde. Manchen Gegnern kam sogar das Kotzen von diesem, wie sie meinen, grauslichen Gemisch. Genießer bezeichnen den Malser Plunder jedoch als ein appetitanregendes Genussmittel, das sogar demokratisch belebend wirkt. Freunde des Malser Plunders, die im Fernsehen oder im Internet von diesem erfahren haben, fragen aus der ganzen Welt nach dem Rezept, weil sie diese Leckerei auch in den eigenen Herkunftsländern zubereiten wollen. Man überlegt wegen der großen Nachfrage den Malser Plunder in Brüsseler Spitzen verpackt in alle Welt zu exportieren. Wegen Nebenwirkungen fragen sie am besten ihren Apotheker.

romano paginini
Romano Paganini
Abya Yala

Journalist & Gärtner

Gutenachtgeschichte

Ist die Rede von Krieg
Höre ich dem Frieden zu
Fressen die Kühe Sojamehl
Säe ich Mais und Kürbisse
Habe ich kein Geld
Beginne ich zu tauschen
 
Schlägt mich meine Konkurrentin 
Gratuliere ich ihr
Schlägt mich mein Mann
Gehe ich in mich
Schlägt er mich zwei Mal
Gehe ich weg
 
Spricht alles übers Handy
Spreche ich mit meinem Nachbarn
Gehört dieser zu allen
Lausche ich Spatzen und Eulen
Treffen Bomben mein Wohnzimmer
Schalte ich um oder ab
 
Fällt der Strom aus
Zünde ich eine Kerze an
Wird das Gas knapp
Gehe ich Holz sammeln
Wird das Holz knapp
Pflanze ich Bäume
 
Habe ich keine Hoffnung
Beginne ich zu vertrauen
Habe ich kein Vertrauen
Beginne ich zu atmen
Verlässt mich der Atem
Verlasse ich den Körper
 
Schreit mein Kind
Still' ich es
Schreit es weiter
Wieg' ich es
Und hörts nicht auf
Beginne ich zu singen
 
Streite ich mit meinem Mann
Tue ich das nicht im Haus
Kommts zur Explosion 
Verzeih' ich ihm 
Bleibt er taub
Sehen wir Morgen weiter
 
Denn wenn es dunkel wird
Und die Erde abkühlt
Ist es Zeit ruhig zu werden
Körper und Geist sein zu lassen
Sich dem Puls der Nacht hinzugeben
 
Ohne dabei Fragen zu stellen

ute scheub
Dr. Ute Scheub
Berlin, D

Autorin

Meine Malser Seelenlandschaft

Mals ist zum Verlieben. Da die Malser viele Flächen vor dem pestizidintensiven Obstbau retteten, liegt es in
einer Seelenlandschaft, die schöner nicht sein könnte. Ein Gemälde in blattgrün und azurblau, mit knorzigen Holzhäusern, artenreichen Wiesen, überquellenden Gärten, durchzogen von der eiligen Etsch, überdacht vom Schneeweiß der Berge. Auf die Dreitausender will kein Pestizidspritzer, zum Glück, sonst würden die vielleicht schon in giftgelb leuchten.

Ich wünsche mir, dass sich diese gesunden Landschaften ausbreiten dürfen im ganzen Vinschgau, im ganzen Südtirol, in ganz Europa, in der ganzen Welt. Denn wir benötigen sie so dringend. Die Regenerationskraft der Natur ist gewaltig, wir brauchen sie nur unterstützen. Wir brauchen ihr nur mittels regenerativer Agrikultur den Raum zurückgeben auf Äckern, Wiesen und Wäldern, dann geht ihre artenreiche Saat wieder auf und die Monokultur zurück, seltene Pflanzen kehren wieder, sogar ausgestorben geglaubte Tiere, das regenerierte Bodenleben mit seinen Billionen Bakterien, Algen und Pilzen lässt neue Kraft ins Kraut schießen. Das schafft Erholungslandschaften mit Ökolandbau und Ökotourismus, und die Menschenskinder gesunden. Vielleicht auch diejenigen, die immer wieder mit dummen Kampagnen die Malser Giftfreiheit stoppen wollen.

Ihr letztes Buch, „Die Humusrevolution – wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen“ wurde im Oktober 2017 mit dem Salus-Medienpreis ausgezeichnet.

nouschka meinema
Nouschka Meinema
Bolzano, I

My stunning yet steep walk to work, from Bolzano city center to the hills where the Magdalena vinyards are located. A breathtaking view of the ´Rosegarden´ in the distance. The colours & scents, the variety of plants, flowers and trees along the way, throughout the four seasons, are an absolute joy to my senses and help overcome the agony of the steepness of the road up. It is the physical part taking in nature that gives me the kick and the sense of being here and now fully alive!

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Hans Heiss
Brixen, I

Historiker und Politiker

Landschaft, versehrt und verzehrt – hier im Riggertal bei Neustift

Landschaft ist das eindrücklichste Kunstwerk, das wir kennen: Gebildet durch Naturräume, Erosion, Wasser, Wind und Klima, geformt von menschlichem Einsatz, genutzt durch Arbeit von Menschen, Tieren und Maschinen. Von der Alm bis zum Wattenmeer, vom polaren Eisberg bis zur Streuobstwiese ist Landschaft Produkt und Spiegel von Menschen und ihrer Gesellschaften. Sie schafft Identitäten und prägt sie aus – oft unmerklich, dafür mit umso größerem Nachdruck.
Die Zerstörung und Verformung von Landschaften ist in Südtirol weit gediehen: In 14 Jahren politischer Arbeit habe ich gesehen, wie Landstriche verschwinden, versiegelt und verbaut werden, als Deponieflächen genutzt und all dies – makaber genug – oft ohne Ausdruck des Bedauerns. Das (Selbst)Lob Südtirols als Sehnsuchtsland der Alpen ist ein großes Stück Lebenslüge. Übernutzung und artifizielle Umgestaltung werden medial verkauft als notwendiger Tribut an unseren Wohlstand.
Das Riggertal nördlich von Brixen, hier in einem Bild von 2006, ist heute eine Deponiefläche, der urtümliche, kaum verbaute Einschnitt, den der Eisack aufgeweitet hat, ist angefüllt mit den Exkrementen des Brennerbasistunnels. So wie hier dreht sich die Mühle der Umgestaltung, Unbehagen und Unruhe sind spürbar, aber ohne sichtbare Reaktion. Noch, denn vielleicht kommt der Schock, der den Umkehrschub auslöst.

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Jürgen-Roland Gröner
Weinstadt, D

Musiker und Maler

Alpensinfonie

Berge sind wie eine Sinfonie aus Eis und Fels, die von Gebirgsbächen und breiten Almflächen durchsetzt wird! Dazwischen leben Menschen, die, obwohl es ihnen die Berge nicht gerade leicht machen, zumeist im Einklang mit der Natur leben, die auch keine Monotonie aufkommen lässt. Erhaben steht der Ortler, wie der Eingangssatz zu Beethovens „Schicksalssinfonie“. Zu seinen Füßen das „Largo“ eines sich weit öffnenden Tals, dem Vinschgau. Groß ist die Ehrfurcht der Menschen vor der Macht der Berge. Erst 1804 hat es einer gewagt, sich auf die Spitze des Ortlers zu wagen. Von „Bezwingen“ kann keine Rede sein! Groß ist auch der Respekt vor dem „Lorgg“, der in Mals noch allgegenwärtig ist und der denjenigen, die es zu toll treiben, auf die Schulter springt. Aber die Ehrfurcht schwindet und dadurch wird der Einklang mit der Natur gefährdet! „Wehret den Anfängen“, lautet eine alte Lebensweisheit. Die Vinschger gehen da mit leuchtendem Beispiel voran!

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Wolfgang Keller
Bad Schwalbach, D

Biobauer

Der Boden ist's,

der unser täglich Brot hervorbringt. Die grünen Pflanzen sind Erstproduzenten von Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten – weltweit. Wenn wir wollen, dass dieses geniale System für uns Menschen erhalten bleibt, dürfen wir es nicht nachhaltig vergiften. Sonst ist's mit der Nachhaltigkeit vorbei. Es bleibt dabei: Geld ist nicht essbar. Meine erste Aufgabe als Ackerbauer ist es, Schaden von dem Boden abzuwenden: Bodendruck vermeiden, Schadstoffe fernhalten, Erosionen bremsen. Meine zweite Aufgabe ist es, die natürliche Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, ja, zu steigern: Bodenleben fördern, Humus aufbauen, Bodengare stabilisieren. Auf dem Foto eines vielen gelingenden Beispielen dafür: Zwischenfruchanbau mit Ackerbohnen. Ende Juli nach der Dinkelernte die Bohnen tief aussäen; den üppigen Bestand im Winter einarbeiten. Der Wurzelstickstoff der Knöllchenbakterien ernährt die folgende Kultur, die organische Bohnenmasse wird zu Humus für nachhaltiges, gesundes Pflanzenwachstum. Die Chemie bleibt vom Acker. Mals macht's vor, wir machen es nach.

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Felix Prinz zu Löwenstein
Hessen, D

Landwirt, Agrarwissenschaftler, Vorsitzender Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft

Gerade in den intensiven Obstbauregionen ist unübersehbar geworden, dass unsere intensive produktive Nahrungsproduktion in entsetzlich instabilen Systemen stattfindet. Nur durch massiven Einsatz von Produkten aus dem Arsenal der Agrarchemie ist es möglich, sie aufrecht zu erhalten. Wenn dadurch keine weiteren Folgen eintreten würden, könnten wir uns ja über das Schlaraffenland an billigen Nahrungsmitteln freuen. Fatalerweise aber vernichten wir durch eine solche Produktion deren Voraussetzungen. Immer deutlicher wird das bei den Schäden an der biologischen Vielfalt. Wir haben keine andere Wahl, als stabile Produktionssysteme zu entwickeln. Dafür müssen wir möglichst nahe an die von reicher Vielfalt gekennzeichneten stabilen natürlichen Systeme heran rücken. Neueste digitale Technologien ebenso wie die Erfahrung früherer Generationen könnten uns dabei helfen. Beim Obstbau könnte ich mir als Zielbild unseren alten Guts-Obstgarten vorstellen. Er diente der Produktion für den Markt und kam ohne Chemie aus. Dort fanden sich viele verschiedene Obstarten, eine Vielfalt an robusten Sorten und vielleicht auch gezielt ausgewählte Pflanzen für den Unterwuchs.

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Genussgemeinschaft Städter und Bauern
München, D

Wir setzen uns für den Erhalt einer bäuerlich-handwerklichen Lebensmittelvielfalt in den Regionen ein.

Die Grundlage des vor sieben Jahren gegründeten Vereins in München bilden Investitions- und Einkaufsgemeinschaften in enger Zusammenarbeit mit bäuerlichen und handwerklich arbeitenden Betrieben und Produzenten. Damit zeigen wir durch kreatives und partnerschaftliches Wirtschaften Alternativen zur gängigen Marktpraxis auf.

Eine neue Beziehungskultur mit dem Fokus auf Kooperation entsteht dabei nicht nur zwischen Produzent und Konsument; sondern initiiert ein Geflecht aus Landwirtschaft, nachfolgend verarbeitendem und veredelnden Gewerken auf kurzen und nachhaltigen Wegen. Regionale Wirtschaftskreisläufe bilden sich zum Vorteil aller Beteiligten. Gemeinwohlorientiertes Wirtschaften entsteht und begleitet den Prozess von der Wertschöpfung bis zur Wertschätzung aller Beteiligten.

Wir freuen uns aus auf den Austausch der Ideen mit Hollawint in Mals.
www.genussgemeinschaft.de

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Otmar Kerschbaumer
Junin und San Vicente, Ecuador

Permakultur und Biolandwirtschaft, TIERRA BELLBAUM

DAS BLUTENDE HERZ JESU

Oh Südtirol du schöner Fleck,

versinkst seit Jahren in chemischem Dreck.

Die Tiere sterben, der Boden ist tot,

der Landwirt bringt sein Land in Not.

Doch glücklicherweise gibt es die Schützen,

sie helfen dieses Land nun abzustützen.

Sie erkennen die Feinde schon von weiter Ferne,

dem Bayer und Mont Sant erklären sie nur gerne,

dass dies Land nun frei von Chemie,

denn feige waren sie noch nie.

Es gibt nun Hoffnung auf ein glückliches End,

die Generationen erfreuen sich am Trend.

Die Landwirte mutieren zu Bauern,

die Welt wird nun wieder länger andauern.

Diese Schützen braucht die Welt,

damit sie nicht bald auseinanderfällt.

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Johannes Fragner-Unterpertinger
Mals, I

Apotheker und Autor

1
Wenn du, Vintschger, nie
die Flammen gespürt hast,
die über den Sonnenberg lecken,
im heißen August,
wenn du nie
im Sonnenbergwind
gestanden bist,
der die Zunge dörrt und die Haut,
der das Tal in Brand setzen kann
und deinen Geist gleichermaßen,
wenn du nie
aus den Waalen getrunken hast,
die die Sonnenbergerde tränken,
mit Vergangenheit, Leben und Zukunft,
dann… hast du, Vintschger,
im Tal nie gelebt,
nur gewohnt.

2
Wenn du, Vintschger, nie
den Wind gespürt hast,
der über die Malser Haide knattert
im Sommer und Winter,
wenn du nie
im Oberwind
gestanden bist,
der die Zunge dörrt und die Haut,
der den Oberen Vintschgau schüttelt
und deinen Geist gleichermaßen,
wenn du nie
durch die Waale gewatet bist,
die die Malser Haide tränken
mit Vergangenheit, Leben und Zukunft,
dann… hast du, Vintschger,
im Tal nie gelebt,
nur gewohnt.

3
Wenn du, Vintschger, nie
das Knirschen des Schnees gespürt hast,
der unser Tal bedeckt,
mit weißen Wintern,
wenn dich nie
ein Gletscherwind geschmirgelt hat,
der die Zunge dörrt und die Haut,
der die Berge aufhetzt
und deinen Geist gleichermaßen,
wenn du dich nie
in den Waalen gewaschen hast,
die `s Gletschermehl führen,
das die Haut und die Seele schmirgelt
mit Vergangenheit, Leben und Zukunft,
dann… hast du, Vintschger,
im Tal nie gelebt,
nur gewohnt.

4
Wenn du, Vintschger, nie
geweint hast, mit blutendem Herzen über den Calvenfeldern,
wenn du nie geweint hast, am Tartscher Bühl,
an Sonnwendtagen, auf keltischen Steinen,
wenn dich Rätia nie geküsst hat,
die dreifaltige Göttin, die unsere Berge bewacht
und die Fluren gleichermaßen,
wenn du nie
eine glühende Scheibe geschlagen hast,
die von Liebe sirrt und Magie,
auf ihrem Flug durch die keltische Nacht,
dann… hast du, Vintschger,
im Tal nie gelebt,
nur gewohnt.

5
Wenn du, Vintschger, nie
die Fresken in Prokulus, Son Jon und Benedikt
mit deinen Augen berührt
und in Marienbergs Krypta nie
den Gesängen der Mönche gelauscht hast,
die das Herz berühren
und den Geist gleichermaßen,
wenn du nie Hostienschnitz gekostet hast,
den raue Mönchshände dir geben,
und nie vom Wasser im Kreuzgang getrunken hast,
das von den drei Bethen wispert, von Leben und Zukunft,
dann… hast du, Vintschger,
im Tal nie gelebt,
nur gewohnt.

6
Wenn du, Vintschger, nie
in die Blüten der Äpfel gelacht
und nie den Löwenzahnhonig der Haide gekostet hast,
der die Zunge süßt
und das Herz gleichermaßen,
wenn du nie Korrnerliadr gesungen
und Schwabenkinder nie erzählen gehört hast,
deren Schicksal zerfurcht ist
wie die Rinde des Palabirnbaumes,
dann… hast du, Vintschger,
im Tal nie gelebt,
nur gewohnt.

7
…doch wisse, Vintschger,
zu spät ist es erst,
wenn die letzte Marille
auf Marmor zerplatzt.

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Petra Kropf
Gars, D

Heilpraktikerin

„Pflege das Leben, wo du es triffst“

Dieser Ausspruch der Hl. Hildegard von Bingen begleitet mich schon viele Jahre, privat, aber auch in meinen Berufen als Heilpraktikerin und Apothekerin. Die Lebenskraft eines kranken Menschen zu stärken, mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, sei es ein aufmerksames Gespräch, ein Heilkräutertee oder eine homöopathische Arznei, ist mir ein großes Anliegen. Leben pflegen sehe ich aber auch in einem größeren Horizont, nämlich wenn es um die Bewahrung unserer Schöpfung geht. Nur durch sie und von ihr leben wir, wir sind untrennbar mit ihr verbunden. Kranke Umwelt – kranker Mensch, diesen Zusammenhang beobachte ich leider zunehmend in meiner Praxis. Schadstoffe am Arbeitsplatz, aus der Luft oder durch unsere Nahrungsmittel können Mitverursacher sein für vielerlei Beschwerden, Allergien, Hautkrankheiten, Darmprobleme, um nur einige zu nennen. Eine gesunde Umgebung ist wichtig für die Gesundheit des Einzelnen, auch für sein seelisches Wohl. So heißt „das Leben pflegen“ für mich persönlich sich dafür einzusetzen, dass Menschen, Tiere und Pflanzen in einer naturgemäßen Umgebung wachsen und leben können.

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Udo Eppinger
Aarbergen, Hessen D

kaufmännischer Angestellter

Ruine d'Albion

Que les perceurs de la noble écorce terrestre d'Albion mesurent bien ceci:
nous nous battons pour un site où la neige n'est pas seulement la louve de l'hiver mais aussi l'aulne du printemps.
Le soleil s'y lève sur notre sang exigeant et l'homme n'est jamais en prison chez son semblable. A nos yeux ce site vaut mieux que notre pain, car il ne peut être, lui, remplacé.

René Char (1907-1988), Französischer Dichter

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Elke Venske
Berlin, D

Seit 25 Jahren

bin ich Ferienwohnung-im Schloss-Neuzugang in der Mecklenburgischen Schweiz. Eine sanfte Hügellandschaft wie dicke Federbetten, in denen mal Riesen rumgetrampelt sind, aber eigentlich ist dieser wellige Höhenzug durch die Eiszeit entstanden. Weite Felder und Wiesen, viel Weizen, Gerste und Raps und der Rapsglanzkäfer, eine Plage.

Wenn ich die strahlend gelben hügligen Wellen im Mai hinter unserem Park betrachte, geht mir das Herz auf. Mit der Blüte kommt der kleine knackige schwarze Käfer. Er sitzt überall, wo es gelb leuchtet. Im Laufe der Zeit fand er auch helle Farben generell gut. Meine lachsfarbene Rose Colette schmeckt ihm, ebenso Lindenblüten, Margeriten und und und … Nichts kann man gegen ihn tun im Park. Die Bienen mögen ihn nicht, er verdrängt sie. Auf den Feldern wird er stark bekämpft und hat nichts zu lachen, daher fühlt er sich wahrscheinlich in unserem Park besonders wohl. Dafür verschwinden die Kröten und die giftgrünen Laubfrösche. Früher war da Konzert, jetzt hört man sie kaum noch. Und an der Peene die Wiesen. Noch Anfang dieses Jahrhunderts gab es Wiesenschaumkraut, Löwenzahn, Klee, Hahnenfußgewächse, auf den Hügeln Silberdisteln. Die Kiebitze, meine Lieblingsbodenbrüter, sind in großen Schwärmen aufgeflogen. Nun wurde aus den Wiesen ein einheitliches Grün, keine Blüte darf sich regen. In Rollen gepresst als “LandArt” wartet das Gras im Sommer auf Verwendung.

Was passiert mit uns? Keine Einsicht in Zerstörung? Unsere schöne Erde!
Ich bin ratlos.

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Sergio Deromedis
Valle di Non - Trentino, I

La valle di Non è una valle alpina bellissima: ha storia, cultura, montagne, acqua, sole, una forma insolita: è un largo altipiano multilivello e non la solita valle a U, …. .

Purtroppo ha anche la monocoltura della mela, coltivata con il metodo della lotta integrata che richiede un numero enorme di trattamenti con pesticidi di sintesi. I pesticidi hanno inquinato gli alberi, la terra, gli orti, i parchi, i giardini, gli asili, le scuole, gli ospedali, le abitazioni, gli animali, …, GLI ABITANTI e perfino LE URINE DEI NOSTRI BAMBINI.

Il paesaggio è stato banalizzato ad un susseguirsi di pali di cemento armato, cavi di acciaio, reti di plastica ed alberelli di melo piantati ogni 60 centimetri.

Per fortuna alcuni abitanti della valle di Non hanno deciso di rimanere a combattere per liberare l’agricoltura ed i contadini dai pesticidi di sintesi e dalla monocoltura intensiva. Tra pochi anni la valle di Non al posto dei pesticidi avrà tanti abitanti felici e visitatori … e sarà perfetta!

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Brigitte Foppa
Montan

Landtagsabgeordnete

Manchmal gehe ich nachts in den Wald. Es ist das Reich der Töne. Der Kauz jammert, Äste knistern, Blätter rascheln. Manchmal kann ich die Töne deuten. Sehr viel öfter nehme ich zur Kenntnis, dass ich Gast bin, in dieser Waldwelt, die in jeder anderen Nacht ohne mich auskommt. Ich fehle ihr ganz und gar nicht.

Ich bin ein Mensch. Und ich habe keine Macht in diesem Kontext. Ich habe ausnahmsweise keinerlei Kontrolle über das, was mich umgibt. Eine Bärin, eine Blindschleiche, ein Salamander könnte meinen Weg kreuzen. Sie wüssten genau was sie zu tun haben, ich nicht. Die Nacht und die Natur sind so gesehen ziemlich demokratisch.

Ich mag diese Welt und die Aufgabe, den Platz im Gefüge finden, zu gehen und zu schauen nicht zu stolpern und mir nicht weh zu tun und auch niemandem sonst.

Es ist eine Art in der Welt zu sein, eine Metapher, vielleicht eine Essenz. Oder eine Organisationsform der Wirklichkeit, die ohne unsere menschliche Intelligenz mehr Weisheit in sich trägt als wir aushalten.